In den letzten fast 2,5 Jahren hat sich sprachtechnisch sehr viel getan bei der Maus. Und wie das so ist, ist man als Mama oder Papa stolz, wie Oscar über jedes Wort, das der Nachwuchs von sich gibt. Ok, manchmal sind es nur wortähnliche Laute, aber immerhin: es spricht!
Und weil so viel Glück und Stolz regelrecht süchtig machen, versuchen wir unsere Kinder natürlich nach bestem Wissen und Gewissen zu fördern.
Noch nicht ahnend, was wir uns Eltern mit den zukünftigen Sabbeltaschen antun, lesen wir vor, sprechen richtig und deutlich, geben korrektive Feedbacks oder singen uns die Seele aus dem Leib.

Mir persönlich ist Sprache unglaublich wichtig. Mir stellen sich inzwischen die Nackenhaare auf, wenn Menschen aus Faulheit ganze Verben auslassen, wenn sie mit mir sprechen. Ich möchte daher, dass die Maus, wenn sie älter ist, auch vernünftig sprechen kann.
Das bedeutet natürlich auch, dass ich die Maus dementsprechend fördere. Natürlich nicht mit irgendwelchen Förderprogrammen, sondern ganz normal im Alltag.
Ich stelle ihr Fragen, höre ihr aufmerksam zu, wir sehen uns gemeinsam Bilderbücher an, ich lese vor, wir spielen und und und…
Aber die wichtigste Maßnahme um ihre Sprachentwicklung zu fördern ist ganz einfach: Es gibt hier keine Babysprache!

Mit Babysprache meine ich selbstverständlich nicht dieses Dutzi-Dutzi-Getue, das manch einer bei Babys macht, sondern das -nennen wir es mal- verstümmeln von Worten, wie Brumm-Brumm für Auto, Mieze für Katze und der Klassiker: Wau-Wau anstatt Hund.
Kennt ihr sicher, oder?

Meist sind ja die Großeltern diejenigen, die mit ihren Enkeln in Babysprache sprechen. So ist das auch bei uns. Würden wir alle Großeltern nur selten sehen, könnte ich damit leben. Da die Maus aber einmal in der Woche bei Oma ist, macht mich das mittlerweile unglaublich aggressiv.
Da die Oma auch noch einen Hund besitzt, ist inzwischen jedes dritte Wort „der Wau-Wau“.

Ihr werdet euch jetzt sicher fragen, warum wir der Oma nicht einfach sagen, dass sie das lassen soll, oder? Das haben wir. Oft… Sehr oft. Und jedes Mal antwortet sie: „Ja, ich vergesse das immer, weil die Maus auch immer Wau-Wau sagt.“
Und jedes Mal denke ich mir „JA, WEIL DU DEN BLÖDEN KÖTER IMMER NUR WAU-WAU NENNST!!!“ Und das Auto Brumm-Brumm, die Katze ist eine Mietze und das Essen ist ein leckeres Happie usw …

Natürlich fangen Kleinkinder mit Wau-Wau an, wenn ich ihnen sage, dass der Hund wau wau macht. Aber wie sollen sie jemals darüber hinaus kommen, wenn es ihnen niemand richtig vorlebt?

Kinder sind keine hirnlosen Idioten, sondern Menschen, die sich entwickeln, dazu lernen und vor allem richtig denken können. Also, warum kann man nicht einfach richtig mit ihnen sprechen?

Kämpft ihr auch gegen die Babysprache? Oder kennt ihr sinnvolle Gründe, die dafür sprechen? Bin gespannt auf eure Kommentare…

5 comments on “Wenn der Wau-Wau mit dem Brumm-Brumm zum Happie fährt.”

  1. Wir haben mit unseren Kindern NIE Babysprache gesprochen, bis auf wenige ausnahmen. Pipi machen ist einfach schöner als urinieren, hihi. Und meine Schwiegermutter ist auch so ein Kracher. „Tust du schön spielen?“ Nein das heißt nicht Tut, Tut macht dkie Hupe grrrrr und dann kam die Logopädin bei Jolina und meinte tut tut ihr gut, da die unregelmäßigkeit der Verben sie verwirrt. Okaaayyy!?!?! Das war eine schlimme Zeit, die ist jetzt aber zum Glück vorbei und ich tue wieder normal sprechen.

    • Hallo Martina,
      gut, wenn ihr tut gut getan hat, ist das die eine Sache. Oftmals ist es in der Logopädie so, das ein Problem nach dem andern behandelt wird, damit nicht zu viele Baustellen offen sind und das Kind am Ende verwirrt ist. Daher wurde ihr das „tut“ wohl gelassen.
      So lang man selbst nicht mit dem Kind spricht, als wäre man der letzte Volldepp gehts ja noch.
      Schön, dass du wieder normal sprechen tust 😉 Alles andere wäre furchtbar.

      Liebe Grüße
      Daniela

  2. Hallo Daniela,

    ich bin ein großer Fan davon, dass jeder sein Kind so erziehen soll, wie er mag. Ich will mich also gar nicht dagegen äußern, wie Du mit Deinem Kind sprichst.

    Ich finde allerdings einige Aussagen, die Du tätigst aus wissenschaftlicher Perspektive nicht stichhaltig, da sie einen veralteten Stand wiedergeben.

    Die von Dir kritisierte Babysprache ist inzwischen durch die linguistische Forschung relativ umfassend untersucht worden. Sie wurde früher als „Motherese“ und dann als „Parentese“ bezeichnet, doch es stellte sich heraus, dass auch ältere Kinder mit kleinen Kinder so sprechen, deshalb wird sie heute „Infant-Directed Speech“ genannt. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Sprecher damit in aller Regel der Sprachentwicklung des Kindes nicht schaden und dass es verschiedentliche Gründe gibt, warum diese Art der Sprache sinnvoll ist für den Erstspracherwerb bei Kleinkindern.

    Ich gebe hier nur einige Beispiele:
    Die Benutzung von unsinnigen Worten wie Wauwau hilft der Entwicklung des produktiven Wortschatzes und der Entwicklung der Grammatik bei Kindern, weil es Töne enthält, die das Kind leicht reproduzieren kann, nachdem es sie gehört hat (und die das Kind vielleicht sogar zuerst benutzt hat, als es versuchte ein schwierigeres Wort auszusprechen). Denn es führt dazu, dass das Kind vertrauensvoll diese vereinfachten Wörter benutzen wird in seinen frühen Versuchen Sätze zusammen zu setzen.

    Psycholinguisten und Experten für den Spracherwerb geben allgemein den Rat einfach so mit dem Baby zu sprechen, wie es sich eben natürlich anfühlt mit dem jeweiligen Baby. So lange die Babysprache nicht forciert angewandt wird, entspricht sie in aller Regel den grade bestehenden Fähigkeiten des Kindes zu kommunizieren. Mit der Zeit beginnen die meisten Eltern und andere Bezugspersonen ganz automatisch ein elaborierteres Vokabular zu benutzen, wenn sie mit dem Kind sprechen, weil das Kind dann schon genug Sprache gelernt hat und in der Lage ist diese neu eingeführte Worte zu verstehen und deren Aussprache auch zu replizieren.

    In Studien konnte nachgewiesen werden, dass Infant Directed Speech in jeder Kultur vorkommt und in jeder lebenden Sprache. Und das, weil es funktioniert.

    Die Empfehlungen sind so weit klar, dass heute für alle anerkannten Experten feststeht, dass die Sprachentwicklung durch Korrektur und vor allem negatives Feedback tendenziell gehemmt wird. Deshalb ist es bei vielen Trägern von pädagogischen Einrichtungen dem Erziehungspersonal auch ausdrücklich nicht gestattet den Kindern ein Feedback zu geben, wie „Das ist falsch gesagt/ Das hast du falsch ausgesprochen“ etc. Selbst bei Remo Largos Buch „Babyjahre“ wird darauf hingewiesen, denn es entmutigt die Kinder. Largo schreibt sogar, dass für das korrektive Wiederholen von Sätzen, die das Kind falsch gesagt hat, zwar keine negativen Folgen feststellbar sind, dass es aber auch gegenüber dem völligen Fehlen von Korrektur keine Vorteile aufweist. Und Largo leitet immerhin eine der bedeutendsten Langzeitstudien zur kindlichen Entwicklung.

    Die heutige Sprachförderung hat im Fokus, dass dem Kind auf Augenhöhe begegnet wird, dass es angeregt wird sich Sprache kreativ anzueignen und die nun sehr typische bildungsbürgerliche grammatikalische Korrektheit und Korrektheit der Aussprache sind Elemente, die erst vertieft werden, wenn der Spracherwerb schon auf sicheren und vor allem vertrauensvollen Füßen steht.

    Ich bin völlig sicher, dass Deine Art zu sprechen mit Deinem Kind völlig in Ordnung ist, ich möchte mit diesem Kommentar keine Kritik üben an den Sprachgewohnheiten, die Du aus welchen Gründen auch immer mit Deinem Kind entwickelt hast. Aber ich bin nicht einverstanden damit ohne jegliche empirische Evidenz die sogenannte Babysprache als etwas darzustellen, dass schädlich sein könnte und ich finde die etwas herablassende Art, in der Du sie beschreibst auch nicht besonders fair.

    Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch diesen Kommentar schreiben, weil mir die Vorstellung unangenehm ist, dass manche Eltern diesen Post von Dir vielleicht lesen und dann das Gefühl haben, sie hätten in der Erziehung ihres Kindes etwas falsch gemacht, weil sie in Babysprache mit ihrem Baby sprechen oder gesprochen haben und damit der Sprachentwicklung schaden, bzw. geschadet haben. Denn dafür gibt es keine fundierten Belege und ich möchte gern, dass sie das wissen: Ihr sprecht in Babysprache mit Eurem Baby und das ist OKAY!

    Eltern wird schon überall genug schlechtes Gewissen eingeredet und ich bin zumindest innerhalb meines Fachgebiets bemüht da etwas gegen zu stellen.

    Deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn Du diesen Kommentar veröffentlichst, obgleich er relativ konträr zu dem steht, was Du selbst geschrieben hast.

    Ich beende meinen Kommentar mit einem respektvollen Gruß und ich wünsche Dir viel Spaß in Zukunft mit Deinem Kind und mit Deinem Blog.

    Viele Grüße
    Esther

    • Liebe Esther,
      erstmal danke für deinen ausführlichen Kommentar… Natürlich wird er veröffentlicht und auch beantwortet 🙂

      Ich gebe dir in dem, was du bezüglich der Babysprache geschrieben hast 100% recht, denke aber, dass du mich eventuell im Artikel falsch verstanden hast. Was du in deinem Kommentar als Babysprache bezeichnest, ist größtenteils die Art und Weise zu sprechen (Tonlage, Melodie, Artikulation…) Das meine ich aber nicht.
      Ich meine das absichtliche Sprechen von falschen Wörtern, wie z.B Wau-Wau für Hund. Klar lernt das Kind meist zuerst, dass der Hund ein Wau-Wau ist, denn das ist einprägsamer und logischer (schließlich macht der Hund ja auch wau wau 😉 ) Das ist auch überhaupt nicht schlimm und ich würde mein Kind auch nicht korrigieren im Sinne von „Das hast du falsch gesagt.“ Im Artikel habe ich vom korrektiven Feedback gesprochen und zwar nicht als Methode zur Sprachförderung. Sondern als ganz normale Antwort, wie ich jedem anderen Menschen ebenfalls Antworte.

      Ich habe auch nirgendwo behauptet, dass es schädlich ist, mit einem Baby oder Kleinkind in Babysprache zu sprechen. Das ist jedem selbst überlassen. Ja, auch ich habe mit der Maus in Babysprache gesprochen, als sie noch ein Baby war. Jetzt ist sie 2-einhalb Jahre alt und ich finde es einfach nicht mehr angebracht von Wau-Waus, Brumm-Brumms und leckerem Happie zu sprechen. Natürlich sage ich nicht zur Maus, dass sie nicht richtig spricht, wenn sie die Worte so ausspricht, denn das wird sie irgendwann von selbst richtig machen. Mir ist aber wichtig, dass ich es ihr richtig vorlebe und die richtige Worte benutze. Wie soll sie denn sonst jemals lernen, dass der Hund eben ein Hund und kein Wau-Wau ist.

      Hier geht es auch nicht darum, jemandem ein schlechtes Gewissen einzureden, denn das hier ist kein Erziehungsratgeber, sondern einfach nur die Darstellung meiner persönlichen Sicht der Dinge.

      In diesem Sinne wünsche ich dir auch viele Grüße
      Daniela

  3. Ich habe eine umfangreiche Fortbildung zur Sprachförderkraft im Kindergartenalter gemacht und kann die Aussagen von Esther daher größtenteils bestätigen.

    Was wir jedoch nicht machen, ist, dem Kind wortwörtlich zu sagen „Das hast du falsch gesagt…“. Wir geben „corrective feedback“ in beispielsweise dieser Form:

    Kind: „Guck mal, ein Wau-Wau.“
    Ich: „Ja, da ist ein Hund.“

    Bei Aussprachefehlern machen wir das genauso. Einfach die Aussage des Kindes einmal richtig wiederholen, so hört es den korrekten Satz und bekommt aber nicht das erniedrigende „Das hast du falsch gemacht!“ zu hören. Aber ich glaube, so meinte Esther das auch. 🙂

    Das funktioniert übrigens auch bei:
    Kind: „Ich will Nudeln!“
    Ich: „Du möchtest Nudeln? Bitteschön, hier hast du die Schüssel mit den Nudeln.“
    Das hat eine ganz andere Wirkung als wenn ich sagen würde „Das heißt, ich MÖCHTE.“

    Eine höhere Stimmlage und eine vereinfachte Sprache im Umgang mit Babys und Kindern ist, uns angeboren und sinnvoll.

    Verniedlichungen hingehen halte ich für weniger sinnvoll. Ich würde zu einem 1 1/2 Jahre alten Kind niemals sagen „Schau mal, ein Pferdchen.“ Denn für das Kind ist das kein PferdCHEN, sondern ein RIESENGROßES Tier.

    Ebenso finde ich „Synonyme“ wie „Wau-Wau“ für „Hund“ oder „Tut Tut“ für Eisenbahn unangebracht. Von der Entwicklung der Aussprache her kann das Kind zwar einfacher „Wau-Wau“ als „Hund“ sagen, aber das Tier heißt nunmal „Hund“ und nicht „Wau-Wau“. Wenn Kinder die Aussprache richtig vorgelebt bekommen, können sie das auch erlernen. Mit angebotenen Vereinfachungen wie „Wau-Wau“ nimmt man dem Kind die Chance dazu. Ist ein Wort noch zu schwer, müssen wir keine vereinfachte Alternative suchen, das Kind kommt passiv mit dem Wort prima zurecht und aktiv wird es seine Wege finden. Das merken wir oft an der Aussprache von Namen, wenn „Christian“ erstmal eine Weile „Schi-Schi“ heißt, weil sein Kindergartenkumpel noch nicht „Christian“ sagen kann. Ich als Erzieherin sage natürlich trotzdem „Christian“. Es ist doch viel interessanter, zu sehen, zu welchen Strategien die Kinder greifen, um das, was sie noch nicht richtig aussprechen können, zu sagen.

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