Vor kurzem habe ich über Twitter eine Diskussion einiger User verfolgen können, in der es um die Wahlfreiheit von Frauen bezüglich des Geburtsortes ihrer Babys geht.

Genauer ging es darum, dass Julia vom Blog „Mein Augenschmaus“ einen Tweet über die Debatte um die Zukunft der Hebammen geschrieben hat. Die Antwort eines anderen Users ging von „Warum nicht im Krankenhaus ein Kind bekommen? über „Nur weil eine Mutter denkt sie müsste eine Hausgeburt haben heißt das nicht, dass sie auch sollte, da Risiko“.
Auf die Antwort von Julia bezüglich der Wahlfreiheit einer Frau antwortete er:“Nicht ganz einfach. Das Kindeswohl geht vor! Ich darf mein Kind ja auch nicht unbeaufsichtigt lassen „weil ich es will“.“
Auf den Punkt, dass kein Mann das Recht hat Frau bezüglich der Wahlfreiheit bei der Geburt zu beschneiden, antwortet er damit:

Seitdem mache ich mir so meine Gedanken zum Thema Mitsprache-Recht des Vaters. In wie weit darf er mitbestimmen bei der Wahl des Geburtsortes und allem was dazu gehört?

Kann man in dem Zusammenhang überhaupt von „bestimmen“ sprechen? Ich finde nicht, denn was mit meinem Körper passiert, bestimme einzig und alleine ich.
Trotzdem ist die Geburt eines Kindes auch ein großes Erlebnis für den Papa des Babys. Er macht sich mindestens genauso große Sorgen, wie man selbst und möchte natürlich auch nicht, dass etwas passiert.

Und genau da kommt für mich das gegenseitige Vertrauen ins Spiel. Ich möchte gern, dass mein Partner so viel Vertrauen in mich hat, dass er seine Ängste und Sorgen mit mir teilt. Im Gegenzug wünsche ich mir von meinem Partner, dass er mir, meinem Körper und meinem eigenen Urteilsvermögen vertraut. Im Idealfall findet man jetzt natürlich eine Lösung, mit denen beide leben können.

Aber auch, wenn man sich nicht einig wird und die Vorstellungen beider Partner weit auseinandergehen, würde ich nur auf mich und mein Bauchgefühl hören, denn schließlich muss ich mich auch wohlfühlen können.
Bei meiner letzten Geburt habe ich mich überhaupt nicht wohlgefühlt, wenn man es mal milde ausdrückt. Allein deswegen würde ich keinen Kreissaal mehr ohne Beleghebamme betreten.
Ich hatte keine Kontrolle mehr darüber was mit mir passiert, denn ich wurde mit Cytotec und einem Wehentropf vollgepumpt. Klar habe ich der Einleitung zugestimmt. Ich wurde aber meiner Meinung nach nicht ausreichend auf die eventuellen Nebenwirkungen (Wehensturm über zwei Stunden) aufmerksam gemacht. Es war auch nicht sonderlich angenehm, dass mir insgesamt neun wildfremde Menschen zwischen die Beine gucken „mussten“.

Eine Hausgeburt ist bei einer unauffälligen Schwangerschaft nicht risikoreicher als eine Krankenhausgeburt, vorausgesetzt man hat eine Hebamme dabei, denn die hat gelernt, richtig einzuschätzen, ab wann es einen Arzt braucht.

Wenn also die Schwangerschaft und die Ultraschall-Bilder unauffällig waren, dann finde ich, dass mein Mann nicht mitentscheiden darf, wo und wie ich gebäre.

Wie habt ihr entschieden, wo es zur Geburt hingeht? Gab es Diskussionen darüber oder haben eure Partner euch und eurem Körpergefühl vertraut?
Wie seht ihr das? Hat euer Partner ein Mitsprache-Recht? Was würdet ihr tun, wenn ihr euch überhaupt nicht einig werden würdet?

Hier noch ein Link passend zu meinem Artikel. Motherbirth hat schon mal über ihre eigenen Erfahrungen über das Thema geschrieben.

5 comments on “Wahlfreiheit des Geburtsortes… Oder: Wer darf alles über mich bestimmen?”

  1. Es ist aber auch immer eine Frage von VERTRAUEN! Traut sich eine Frau es zu außenklinisch zu gebären – vertraut sie selbst ihrer Gebärfähigkeit, vertraut sie ihrem weiblichen Körper? Hat sie genau Selbstvertrauen, um sich selbstverantwortlich und selbstbestimmt gegen den Strom der Masse zu stellen? Und dann ist ja auch immer noch der Vater/Mann, der ebenfalls Vertrauen haben muss: in seine Frau, in ihre Entscheidung und in die Natürlichkeit von Geburten.

    Wenn VERTRAUEN fehlt, dann ist man nicht frei ein seinen Entscheidungen, weil dann meist die Angst beeinflussend mitgewirkt hat. Angst ist aber in keiner Situation ein kluger Ratgeber, außer vielleicht in wirklich lebensbedrohlichen Situationen, aber in einer solchen befindet man sich ja vorher noch nicht …

    Schlussendlich muss man die diffusen Ängste zügeln lernen, um Vertrauen auf zu bauen, um dann angstfrei selbstbestimmte und selbstverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Das ist meist ein langer Weg zur Wahlfreiheit, aber wirkliche Freiheit gibt es eben nur ohne Angst 🙂 Der Weg lohnt sich aber!!!!

    Liebe Grüße
    Mother Birth

    • Liebe Mother Birth,
      das hast du schön gesagt. Ich habe im Rückblick festgestellt, dass mir die ganzen Untersuchungen, Warnungen und auch die ganzen Maßnahmen, die während der Geburt getroffen wurden, Angst gemacht haben. Davor hatte ich die ganze Schwangerschaft über keine Angst vor der Geburt.

      Liebe Grüße und danke für deinen schönen Kommentar
      Daniela

      • Danke <3 liebe Daniela!

        Meinen Mann und mich hat es befreit, als wir uns von der Angst frei gesagt haben! Wir mussten dabei feststellen, dass die meisten Ängste gar nicht unsere waren, sondern die anderer, die nur auf uns projiziert wurden… leider ein sehr häufiges Phänomen ;-(
        Dieses Freiheitsgefühl genießen wir noch heute – ein ganz neues befreites Leben 🙂

        Liebe Grüße
        Mother Birth

  2. Schon vor der Schwangerschaft wollte ich unbedingt im UKE entbinden, weil ich berufsbedingt so viele Kinder kenne, bei denen es lebensrettend war, dass es dort eine Kinderintensivstation gab. Ich hab einfach tagtäglich diese Kinder und ihre Geschichten um mich herum gehabt, dass ich ganz aus den Augen verloren habe, dass es auch anders geht. Während der Schwangerschaft entspannte ich mich dahingehend aber ziemlich und wählte eine kleinere Klinik für die Geburt. Ich hab mich auch mit dem Gedanken ans Geburtshaus beschäftigt, aber damit fühlte ich mich nicht wohl, das fühlte sich für mich zu unsicher an. Die gewählte Klinik gefiel mir vom Gefühl her super, aber auch, weil ich wusste, dass sie mich und das Baby im Notfall sofort ins UKE schaffen würden. Das brauchte ich für mein Sicherheitsgefühl. Bis kurz vor Schluss wollte ich auch noch ins UKE zum Infoabend, nur um für den Notfall zu wissen, was mich da erwartet. Aber irgendwann war ich dann so entspannt, dass ich da nicht mehr hinging.

    Mein Mann hat sich absolut nicht eingemischt, sondern meine Wünsche ernst genommen. Das Geburtshaus war ihm auch zu unsicher aber das sagte er erst, nachdem ich meine Zweifel äußern durfte, er hat mir das also nicht ein- bzw ausgeredet. Die gewählte Klinik fand er ebenfalls gut, zumal sie auch am nächsten gelegen war. Die Sache mit dem UKE fand er übertrieben, weil die Schwangerschaft so problemlos verlief, hätte mich aber auch unterstützt, wenn ich dorthin gewollt hätte.

    Ich finde, dass es wichtig ist, dass die Frau für die Geburt an einem Ort sein kann, an dem sie angstfrei und entspannt ist. Für mich war das die kleine Klinik und da würde ich auch fürs zweite Kind wieder hingehen.

    • Liebe Inga,
      deine Ängste kann ich -berufsbedingt 😉 – ganz gut verstehen. Ich wollte eigentlich nur in die Klinik, weil ich Angst davor hatte mit den Schmerzen nicht umgehen zu können. Im Nachhinein wäre ein Geburtshaus für mich wohl schöner gewesen. Aber, wie du schon so schön gesagt hast, muss Frau sich wohl fühlen.
      Schön, dass dein Mann dir so vertraut hat.

      Liebe Grüße
      Daniela

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