Ich liebe ja Klischees und mache mich auch ganz gerne mal über klischeehaftes lustig. Aber ganz besonders wunderbar finde ich es, wenn ein solches Klischee mich selbst betrifft.
Darauf gekommen bin ich neulich in der Kita, als ein Papa seine Tochter abholte und sich dabei scherzhaft über die freche Art eines anderen Kindes ausließ, dessen Vater Polizist ist.

Ihr müsst wissen, dass der Sohn des Polizisten wirklich sehr wild und laut ist, weshalb der Mädchenpapa zu mir sagte: „Ja, so ist das. Die Kinder von Polizisten sind immer die schlimmsten…“ Meine Antwort darauf war natürlich, dass nur noch die Kinder von Erziehern, Lehrern, Psychologen… schlimmer sind. Wir konnten zwar herzhaft darüber lachen, weil eine ordentliche Portion Ironie dabei war, trotzdem habe ich mich im Nachhinein ständig gefragt, woher dieses Klischee denn kommt.
Warum denken viele wirklich, dass der Nachwuchs von Eltern, die Erzieher, Lehrer Psychologen, Polizisten usw. schwierig ist?

Wie der aufmerksame Leser ja sicherlich schon bemerkt hat, bin ich Heilerzieherin 😉 Also vom Jobprofil her der Erzieherin ziemlich nahe, aber trotzdem behaupte ich mal, dass mein Kind nicht gestört oder schlimm ist. Zumindest nicht gestörter und schlimmer als andere Kinder in diesem Alter. Aber ich bin parteiisch, also mal versuchen die Welt mit anderen Augen zu sehen… Klappt nur meist nicht 😉

Ich habe oft das Gefühl, dass andere Eltern eine Patentlösung von mir verlangen im Umgang mit ihren Kindern. Frei nach dem Motto „Die hat das ja schließlich gelernt.“, sollen alle Verhaltensweisen, die stören oder nerven, auf Kommando abgestellt werden.
Wir werden im Umgang mit Kindern ständig kritisch begutachtet. Vielleicht erlauben wir uns deswegen auch gar nicht einmal „unperfekt“ auf unsere Kinder zu reagieren.
Wir müssen immer unendlich viel Ausdauer haben, wenn es um die Launen unserer Kinder geht. Außerdem darf uns auch nie (öffentlich) der Geduldsfaden reißen. Schließlich lieben wir ja Kinder und haben gelernt, wie wir sie gefälligst so zu erziehen haben, wie die Öffentlichkeit sie will.

Und genau da liegt der Knackpunkt. Im wahren Leben gibt es nämlich keine Patentrezepte oder Bilderbuchtheorien auf die wir Erzieher zurückgreifen können. Vielmehr müssen wir uns auf unseren Instinkt, unsere Empathie und unsere Erfahrung verlassen.

Außerdem sind die für Kinder typischen Verhaltensweisen nicht immer die Verhaltensweisen, die in der Öffentlichkeit erwünscht sind. Ich sehe immer wieder, dass Kinder, die schön ruhig sitzen und schön leise sind angelächelt werden. Meist noch begleitet von Kommentaren wie: „So süße Kinder… und wie brav die doch sind.“
Klar, es gibt sie. Die Kinder, die einfach etwas ruhiger sind. Das ist normal.
Aber genauso normal ist eben auch ein Kind, das in der Öffentlichkeit laut singt, allen im Weg steht, weil es verträumt irgendwohin guckt oder auch einfach mal lautstark seine Meinung von sich gibt.
Da das aber keine erwünschten Verhaltensweisen sind, werden die „lebhaften“ Kinder abschätzig angesehen und als verzogene Kinder betitelt, deren Eltern unfähig sind ihrem Kind mal richtig beizubringen, wie man sich zu benehmen hat.

Woher kommen nur all diese falschen Erwartungen? Waren nicht genau diese Leute, die auch meine Tochter und mich immer wieder anstarren, auch mal Kinder?

Mir persönlich ist es viel lieber, wenn die Maus fröhlich, laut singend, verträumt und interessiert an Kleinigkeiten, ist… Denn so sind Kinder nun mal. Und was ist schlimm daran, wenn ein Kind mal lauter ist? Welches Recht nehmen sich Menschen heraus, sich darüber eine Meinung zu bilden und sie teilweise sogar zu äußern?

Wie ist es bei euch? Wie reagieren eure Mitmenschen, wenn eure Kinder laut und fröhlich sind. Finden sie es niedlich und toll? Oder ist es andersherum und sie sind empört über eure ungezogenen Kinder?

1 comment on “Sind Erzieher-Kinder wirklich gestörter als andere? – Vorsicht Klischee…”

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