Während meiner Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin habe ich allerhand Erziehungs- und Lernthoerien an die Hand bekommen. Von der klassischen Konditionierung bis hin zum Modelllernen war alles dabei.
Zu dieser Zeit war für mich die logischste Theorie, die am besten „funktionieren“ könnte, das operante Konditionieren.
Vereinfacht erklärt, geht es hier darum positive Verhaltensweise zu verstärken, etwa durch eine Belohnung.


Das Kind lernt durch diese Belohnungen oder durch Lob, welche Verhaltensweisen erwünscht sind. Unerwünschte Verhaltensweisen werden durch den Entzug positiver Reize „gelöscht“. (Wer das nochmal genauer nachlesen möchte, kann das hier tun)

Macht Sinn oder? Passiert und funktioniert auch heute noch in fast allen Haushalten und Kitas.
Leider vergisst man schnell, dass das Kind erwünschte Verhaltensweisen wiederholt, weil es die Belohnung möchte und nicht, weil es versteht, warum dieses Verhalten erwünscht bzw. sinnvoll ist.

Anfang des Jahres 2015 habe ich begonnen in einer Integrations-Kita zu arbeiten. Ich bin dort seitdem für die Integrationskinder zuständig, die ihren Förderschwerpunkt im sozial-emotionalen Bereich haben. Sozial-emotional bedeutet dabei, dass die Kinder vor allem durch aggressives Verhalten auffallen.

Ich habe natürlich instinktiv und ohne darüber nachzudenken das Modell der operanten Konditionierung angewendet. Das war für mich keine große Sache, denn schließlich wurde ich so ja auch erzogen und ich bin auch ohne merklichen Schaden davon gekommen 😉

Nach einiger Zeit habe ich aber festgestellt, dass diese Art von Erziehungsmethode überhaupt keinen Einfluss auf das aggressive Verhalten der Kinder hat, was bei mir immer mehr Frust aufkommen ließ und je mehr Frust, desto häufiger habe ich die Kinder angemeckert.
Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass die Kinder mein Verhalten eins zu eins nachgeahmt haben. Ich musste also zuerst mein eigenes Verhalten ändern und lernen ruhiger und entspannter zu werden, was wegen der damaligen Personalsituation echt schwer war. (Ich allein mit 18 Kindern) Aber seitdem sind meine Kita-Kinder deutlich ruhiger geworden…

Nach 10 Jahren Berufserfahrung habe ich tatsächlich noch festgestellt, dass das Modelllernen die am besten funktionierende Lerntheorie ist. Vereinfacht erklärt ahmen Kinder Verhalten nach, wenn es zu einem positiven Effekt führt. Der positive Effekt, z.B. eigenes Erfolgserlebnis dient hierbei als positiver Verstärker.

In der Zwischenzeit fing zu Hause auch die Maus an immer gesprächiger und mobiler zu werden. Und auch hier habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass sie uns Eltern alles nachmacht.
Seitdem versuche ich ein gutes Verhaltensvorbild zu sein. Ich meckere weniger, bin deutlich weniger laut und „haue auch nicht mehr so oft auf den Tisch“
Seitdem ist es hier etwas entspannter. Nur mein Mann hat das noch nicht so ganz verinnerlicht. Vielleicht streiten die beiden ja deswegen ständig, wenn ich mal nicht im Raum bin 😉

Natürlich läuft es hier nicht perfekt, denn meine Geduld ist grundsätzlich auch davon abhängig, ob ich gestresst und dünnhäutig oder entspannt und gut gelaunt bin. Aber wir sind auf einem guten Weg. Trotzdem ist die Maus das einzige Kleinkind in diesem Alter, das ich kenne, dass das Wort „Scheiße“ immer richtig benutzt…

Wie ist es bei euch? Seid ihr immer ein gutes Vorbild? Oder ahmen euch eure Kinder weniger stark nach? Welche Erfahrungen habt ihr mit Belohnungen in der Erziehung gemacht? Freue mich über Kommentare

1 comment on “Erziehung… oder der Blick in den Spiegel”

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