Die Maus ist ja erst zwei Jahre und ein paar Monate alt und geht noch nicht in die Kita, sondern zur Tagesmutter. Ich habe also noch ein wenig Schonfrist, was Einladungen zu Kindergeburtstagen angeht. Trotzdem habe ich ganz ehrlich gesagt jetzt schon ein wenig Bammel davor.
Versteht mich jetzt aber nicht falsch, denn wenn ich an die zukünftigen Kindergeburtstage der Maus denke, bin ich noch ganz entspannt.
Was mir aber Schweißausbrüche bereitet sind die Geburtstage der anderen Kinder. Nicht die Feiern, sondern vielmehr die Geschenke-Situation heutzutage.

Früher war es ja üblich, dass das Kind, das seinen Geburtstag feiert gefragt wird, was es sich wünscht. Manchmal nicht einmal das. Man hat sich dann etwas überlegt, was dem Geburtstagskind Freude bereiten könnte, dies hübsch verpackt und anschließend zum Kindergeburtstag mitgebracht. Das musste noch nicht einmal was etwas Großes oder Teures sein. Oft hat auch einfach etwas selbstgemachtes ausgereicht. Hauptsache es war etwas, das passt und Spaß bereitet. Dabei fand ich den Überraschungsmoment und die Neugierde in den Augen der Kinder immer am schönsten. Nicht nur in den Augen des Geburtstagskindes, das neugierig war, was es denn bekommt, sondern auch in den Augen des Kindes, das etwas schenkt, denn sie waren gespannt darauf, ob das Geschenk, das sie sich ausgedacht haben, auch gut ankommt. Und je besser das Geschenk angekommen ist, desto größer war auch die Freude des Kindes, das etwas schenkt.

Meiner Meinung nach ein gutes System, das keinerlei Verbesserungen braucht. Trotzdem hat sich vor einigen Jahren jemand gedacht, dass dieses System wohl optimiert und perfektioniert gehört.
Mittlerweile werden Geburtstagskinder also nicht mehr nach ihren Wünschen gefragt und die Gäste müssen sich auch nichts mehr überlegen, denn in mittlerweile allen Spielwarenläden findet man heutzutage Geburtstagskisten, die vom Kind, das demnächst seinen Geburtstag feiert mit allerhand Spielzeug befüllt wird.
Damit auch jeder Gast weiß, wird auf den Einladungskarten schon erwähnt, in welchem Geschäft sie die Geschenke-Kiste finden können.
Der Gast darf dann in den jeweiligen Laden gehen, sich einige Artikel aus der Kiste nehmen und diese für das Geburtstagskind kaufen. Im besten Fall wird das Geschenk gleich noch im Laden verpackt. So hat also keiner mehr Stress mit den Geschenken. Niemand muss sich mehr überlegen was er schenken möchte oder wie viel Geld er ausgeben möchte. Im Gegenzug kann sich die andere Seite dann auch sicher sein, alles was auf der Wunschliste steht, auch zu bekommen.

Was mich an diesem System aber so ärgert, ist dieses Selbstverständnis, das Kinder mittlerweile an den Tag legen. Es ist selbstverständlich genau das zu bekommen, was man sich wünscht.
Ein Geburtstagsgeschenk ist nicht mehr nur eine nette Geste, sondern ein Muss. Dass die Eltern der Kinder, die zum Kindergeburtstag eingeladen sind vielleicht nicht unbedingt das Geld für das neue High-Tech-Laserschwert aus Star-Wars haben ist egal, denn darüber macht sich keiner Gedanken. Hauptsache die „Wunschliste“ steht und wird komplett erfüllt, damit das Geburtstagskind auch keinesfalls lernen muss eventuell auch mal mit einer Enttäuschung klarkommen zu müssen.

Vor kurzem habe ich im Spielwarenladen zwei Frauen beobachtet, die ein paar kleine Artikel aus so einer Geburtstagskiste gekauft haben. Da die beiden in der Schlange an der Kasse genau vor mir standen konnte ich das Gespräch ganz gut mithören. Die Unterhaltung zwischen den beiden hat mein Vorurteil in Bezug auf diese Kisten nicht nur bestätigt, sondern sogar noch einen oben drauf gesetzt, denn die Mutter des eingeladenen Kindes war unglaublich glücklich und froh darüber schnell alleine ohne ihren Sohn ein paar billige Kleinigkeiten aus der Kiste holen zu können. Das Geschenk ist also nicht nur ohne Mühe und ohne eigene Gedanken gekauft, sondern es ist auch noch unpersönlich und vor allem eine lästige Pflicht, bei der das Kind, das eingeladen ist noch nicht einmal anwesend sein muss.

Für mich ist klar, dass ich versuche der Maus später klar zu machen, warum ich es nicht gut finde, wenn sie zu ihrem Geburtstag einfach eine Kiste mit all ihren Wünschen füllt. Ich möchte, dass sie irgendwann versteht, dass zum Schenken mehr dazu gehört, als irgendetwas aus einer Kiste zu kaufen.
Schwer wird es bei anderen Kindern werden. Denn ich möchte auch nicht, dass sie der „Außenseiter“ ist, weil ich ihr nicht erlaube nur etwas aus einer Kiste zu kaufen. Viel mehr möchte ich, dass sie selbst entscheidet, was sie schenken möchte…

Ich finde, das ist ein schwieriges Thema. Wie bringt ihr euren Kindern den Sinn von Geschenken bei? Wie steht ihr zu den Geschenkboxen? Lebenserleichternd oder nur was für Denkfaule?





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