Oh man… habe schon wieder recht lange nichts hören lassen von mir. Es gibt eben Zeiten, an denen mich die Arbeit wirklich auffrisst. Und im Moment ist so eine Zeit, denn das Kita-Jahr neigt sich dem Ende und recht viele Kinder verlassen die Kita und wechseln zur Schule bzw. einer anderen Vorschule. Für mich bedeutet das extrem viel Arbeit. Um genau zu sein, sind es einige Abschlussberichte, die ich noch schreiben muss und viele, viele Eltern-Abschlussgespräche, die zu führen sind.

Und genau die Elterngespräche sind es, die mich aktuell manchmal zum Verzweifeln und zum Nachdenken bringen…
Ganz genau, geht es um den Druck, den einige Eltern schon auf ihre Kinder ausüben, denn es scheint mittlerweile unglaublich wichtig zu sein, dass ein Kind mit 6 Jahren schon Abi-reif ist und bereits jetzt ein riesen Selbstbewusstsein hat.

In meiner Vorschulgruppe gibt es Kinder, die zurzeit -aus meiner Sicht- noch nicht unbedingt schulreif sind. Dabei geht es nicht um die Intelligenz an sich, sondern eben unter anderem um den Entwicklungsstand, die Konzentrationsfähigkeit oder fehlendes Selbstbewusstsein. Ich habe in den Gesprächen einigen Eltern empfohlen, nochmal mit der Schule zu sprechen und eventuell eine Rückstellung zu beantragen, damit das Kind ein Jahr später eingeschult wird.
Dazu muss man wissen, dass Hamburg das Sitzenbleiben abgeschafft hat. Stattdessen soll gezielt und kostenlos Nachhilfe eingesetzt werden. Finde ich schwierig, wenn es eben um Dinge, wie mangelnde Konzentrationsfähigkeit oder Selbstbewusstsein geht.

Von den Eltern kommt nur meistens ein „Ach, quatsch … schafft das schon. Hat uns ja auch nicht geschadet…“

Auch in der normalen Elementar-Gruppe werden die Kinder immer häufiger zur Vorschule in die Schule geschickt. Vorschulzeit in der Kita scheint einigen Eltern nicht mehr „effektiv“ genug zu sein.

Viele Eltern haben auch ein falsches Bild vom Vorschuljahr. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an einen Elternabend, auf dem ich eine Stunde lang erklären musste, warum wir den Kindern hier nicht lesen, schreiben und rechnen beibringen.
Dass das weder der Sinn noch das Ziel von Vorschule ist, wollten viele auch nach dem Elternabend nicht einsehen…

Ich frage mich, woher kommt denn dieser Leistungsdruck? Warum müssen unsere Kinder heutzutage schon mit 5 Jahren lesen, rechnen, schreiben und vielleicht noch zwei Fremdsprachen können? Welchen Sinn macht das? Mir scheint, als ob es für unsere Generation unglaublich grausam gewesen sein muss, erst in der Schule lesen und schreiben zu lernen. Es scheint in den Kitas, in den Augen mancher Eltern einen regelrechten Bildungsnotstand, zu geben…
Jedes Kind benötigt eben seine Zeit. Manche sind eben früher schulreif und andere später. Was ist denn so schlimm daran?

Auch ich bin erst mit 7 Jahren in die Schule gekommen und habe wegen meiner Dyskalkulie sogar zwei Ehrenrunden gedreht. Trotzdem bin ich nicht verdummt oder habe eine geringere Auffassungsgabe als andere.

Wie seht ihr das? Findet ihr eine frühere Einschulung besser und vor allem warum? Oder denkt ihr auch, dass man den Kindern Zeit lassen sollte? Wie seht ihr das Thema, wenn ihr an eure eigene Kita-/Schulzeit zurückdenkt?

6 Comments on Bildungsnotstand in den Kitas?

  1. Ich habe unterschiedliche Erfahrungen mit 2 Kitas und zwei total unterschiedlichen Mädchen.
    Nr. 1 geht nach den Ferien aufs Gymnasium, kam mit 6 zur schule und war sowas von schulreif, konnte mit 3 schon Autonummernschilder lesen und ich war froh, dass der Kiga ab genau ihrer Vorschulzeiot eine extra Vorschulgruppe eingerichtet hat, damit die Bald-Schulkinder mit ihren Bedürfnissen und Wissensdurst zusammen sind und gezielt darauf eingegangen werden kann, zusätzlich waren sie jede Woche 2 Stunden mit im Unterricht der 1. klasse der gegenüberliegenden grundschule. Ideal für mein Kind.
    Kind 2 hat das Down syndrom ist zurückgestellt und kommt im Sommer in die Schule (Inklusion) sie kann Buchstaben lesen, aber durch eine Förderpraxis, in ihrem kindergarten wird als Vorschulprogramm in den wald gegangen und Vorschullieder gtesungen, wäre es nicht mein behindertes Kind, bei dem sowieso nie ein Schulabschluss im Raum steht würde ich ausflippen und dann kommen beim Elternabend zur beruhigung solche Sprüche wie „Ihr Kind wird in der schule dort abgeholt wo es steht“ oder „lesen lernt man in der schule und die zahlen und Buchstaben.“ Nun ja, ich hab schon ein Kind durch die Grundschule durch und so ist das nicht, das Tempo ist rasant und wer noch nie gelernt hat wie ein A aussioeht wird zu Hause ganz schön büffeln müssen.
    In anderen Ländern gehen Kinder mit 5 in die schule und lernen spielerisch alles was nötig ist, warum hat Deutschland davor Angst, mit Spiel und Spaß lernt es sich leichter und wenns nicht klappt haben die eltern die Möglichkeit eine Rückstellung zu überdenken.

    • Hallo Martina,
      mehr Flexibilität in Sachen Einschulung wäre toll. Bei deinen beiden Töchtern scheint das Tempo genau richtig zu sein.
      Namen schreiben, erster spielerischer Kontakt zu Buchstaben und Buchstaben erkennen gehört zur Vorschule, so dass die meisten Kinder danach eben schonmal gelernt haben, wie ein „A“ aussieht. Auch Zahlen von 1-10 erkennen, schreiben oder Größen zuordnen gehört mit zum Vorschulprogramm.
      Mir geht es aber eher um die Kinder, die mit dem Vorschulstoff Probleme haben, weil sie sich nicht konzentrieren können oder um Kinder, die kaum Selbstbewusstsein haben, sich daher selten oder nie trauen etwas zu sagen. Genau diese Kinder sind eben dann auch noch nicht immer schulreif.
      Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kind in der Schule da abgeholt wird, wo es steht, denn um auf jedes einzelne Kind einzugehen, fehlt den Lehrern schlicht und ergreifend die Zeit. Und genau deshalb gibt es Vorgaben für das Vorschulprogramm. Damit die Kinder wenigstens im Ansatz auf dem gleichen Stand sind.
      Danke für deinen Kommentar.

      Liebe Grüße
      Daniela

  2. Liebe Daniela,

    du sprichst mir aus dem Herzen!

    Ich bin auch ein großer Fan davon, Kinder „in Ruhe“ zu lassen und ihnen einfach die Zeit und den Raum zu geben, den sie zum Wachsen brauchen.

    Auch wir haben unseren ältesten Sohn ein Jahr zurückstellen lassen, obwohl er kognitiv „soweit“ gewesen wäre. Aber er wollte gerne mit seinen (jüngeren) Freunden noch ein Jahr länger im Kindergarten spielen, und wir sahen keinen Grund, warum das für einen Sechsjährigen nicht drin sein dürfte. 🙂

    Mittlerweile ist das erste Schuljahr fast vorbei und wir haben die Entscheidung keine Sekunde bereut.

    Viele Grüße
    Alex

    • Liebe Alex,
      danke für deinen Kommentar.
      Ich wünschte, viele würden eine Rückstellung nicht so dramatisch sehen. Zumal man ja mittlerweile auch weiß, dass Kinder die zu früh eingeschult wurden oft die ganze Schulzeit über Probleme haben.

      Liebe Grüße
      Daniela

  3. Oh je, schwierig. Ich hab auch oft Eltern in den Gesprächen, die ihr Kind dann zur Vorschule an der Schule anmelden und somit von der Kita abmelden wollen, weil sie meinen, da würde ihr Kind dann schon lesen, schreiben und rechnen lernen. Und später sind sie dann enttäuscht, weil die Vorschule in der Schule auch nichts anders macht als wir in der Kita.

    Letztes Jahr hatte ich ein Elternpaar, dass unbedingt die Rückstellung wollte und wir als Kita haben das Kind aber für schulreif befunden. Da konnte dann ein guter Kompromiss gefunden werden mit einer Schule, die zwischen Vorschule und erster Klasse noch eine Klasse zwischengeschaltet hat, damit sind alle sehe zufrieden und diesen Sommer kommt das Kind dann richtig in die erste Klasse.

    • Hallo Inga,
      immer eine Zwischenlösung zu finden, wäre wohl oft das beste, nur leider nicht möglich. Letztendlich können wir als Erzieher leider nur beraten. Die Entscheidung liegt dann bei den Eltern.
      Bei den 4,5-jährigen Gesprächen höre ich ständig „Ja, ja, das wächst sich noch aus! oder Ja, der/die lernt das schon noch“ Ist ein schwieriges Thema.

      Liebe Grüße
      Daniela

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