Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie mich das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ mittlerweile nervt, denn ich komme immer wieder an meine Grenzen, was die Vereinbarkeit angeht. Gerade, wenn es um meine Flexibilität geht, fühle ich mich oft hin- und hergerissen, denn meine Arbeitsstelle verlangt von mir in der Zeit von 6 – 18 Uhr eine hohe Flexibilität. Das ist die tägliche Öffnungszeit der Kita, in der ich arbeite.
Klar gibt es einen Dienstplan, der meist auch eingehalten wird. Da wir aber eine recht kleine Kita sind und dementsprechend wenige Erzieher sind, ist es schwieriger bei Ausfallzeiten, wie Urlaub oder Krankheit das restliche Personal zu „verschieben“. Bedeutet also, dass die Ausfallzeiten komplett von den wenigen Vollzeit-Erziehern aufgefangen werden muss. Also eben auch von mir.

Leider ist die Tagesbetreuung der Maus nicht so flexibel. Diese hat nämlich nur von 7:30 – 16 Uhr geöffnet. Bedeutet, dass ich sie so gut wie nie hinbringen oder abholen kann. So gut, wie nie bedeutet in meinem Fall maximal 1mal pro Woche, denn da habe ich einen kurzen 7-Stunden Tag, um Überstunden auszugleichen.
Pünktlich Feierabend kann ich dann natürlich trotzdem nur machen, wenn alles glatt läuft und ich niemanden vertreten muss.

Ihr seht, die Tage, an denen ich die Maus abholen kann sind, bedingt durch die Seltenheit, etwas Besonderes für die Maus. Wenn ich ihr dann morgens erzähle, dass ich heute komme, dann freut sie sich sehr und redet den halben Tag davon, dass sie mit Mama Bus fahren kann. (Papa fährt immer Auto und das ist langweilig 😉 )

In den letzten Wochen ist es aber, aufgrund von Urlaub und Krankheiten meiner Kollegen sehr häufig dazu gekommen, dass ich länger arbeiten musste und zu Hause in ein sehr enttäuschtes Gesicht gucken musste.
Jedes Mal, wenn das passiert, habe ich ein extrem schlechtes Gewissen. Ich ärgere mich dann über mich selbst, weil ich einverstanden war, den Vertretungsdienst zu machen. Man will ja schließlich auch kein Kollegenschwein sein. Außerdem möchte ich auch, dass mein bisher befristeter Arbeitsvertrag unbefristet wird.
Andererseits ärgere ich mich dann auch darüber, dass ich so falsche Prioritäten setze. Warum lasse ich meine Arbeit oft so viel wichtiger werden, als meine Familie?
Klar, man kann sich das schön reden, denn mich mal schnell auf Arbeit zu ersetzen ist schwieriger, als mich in der Kinderbetreuung zu ersetzen, da ich glücklicherweise einen Mann mit Gleitzeit und Großeltern im Rentenalter habe. Trotzdem empfinde ich es als falsch, da ich meiner Familie gegenüber eine viel größere Verantwortung habe und auch kein Kind bekommen habe, um es ständig bei jemand anderem unterzubringen.

Ich habe ständig das Gefühl zu wenig Zeit mit der Maus zu verbringen. Abends bin ich dann gestresst und müde. Da gibt es also kaum noch große Unternehmungen oder Spiele, was ich eben auch echt schade finde. Das sind dann auch die Momente, in denen das schlechte Gewissen in die Höhe wächst.

In Zukunft werde ich versuchen meine Prioritäten anders zu setzen und wohl zur Not auch mal einen Vertretungsdienst ablehnen. Zumindest an den Tagen, an denen ich der Maus versprochen habe, sie abzuholen. Sollen eben auch mal andere Kollegen länger arbeiten. Die haben zwar keine kleinen Kinder mehr, dafür immer jede Menge privater Termine…

Ihr seht, auch in Jobs mit relativ normalen Arbeitszeiten kommt man an seine persönlichen Grenzen. Wer das alles noch in einem Schichtdienst-Job schafft, ohne auszuflippen, hat meine vollste Bewunderung.

Wie ist es bei euch? Schafft ihr es die Arbeit und die Familie gut miteinander zu vereinbaren? Habt ihr auch das Gefühl eurer Familie nicht gerecht zu werden oder habt ihr alles im Griff?
Wie schaffen ihr Mütter/Väter das, wenn ihr im Schichtdienst seid?

2 comments on “Arbeit vs. Familie… oder: falsche Prioritäten!”

  1. Die kleine Heldin soll ab Sommer auch in die Kita und die Mama wahrscheinlich dann auch wieder ein bisschen arbeiten.
    Bisher bin ich noch in den Verhandlungen mit meinem AG aber ich bin auch echt mal gespannt…. In dem Laden wird nämlich Beruf und Familie gaaaaanz groß geschrieben. Bin mal gespannt, ob in meinem besonderen Fall auch besondere Flexibilität greift….

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